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Restaurierung der Jugendstilverglasung

Neue Fenster in der Petruskirche eingeweiht

Von Reinhart Kauffeld

Kiel - Die Petruskirche in der Wik, mit ihrem wuchtigen, weithin sichtbaren Turm, ist ein bedeutendes Zeugnis Kieler Stadtgeschichte. „Sie ist ein Ausdruck des Stolzes und ein Mahnmal für die Zerstörung unserer Stadt“, sagte der Kieler Propst Thomas Lienau-Becker in seiner Begrüßung. Mehr als zehn Jahre hat sich der Förderverein für die Petruskirche engagiert, Spenden für die Erneuerung der im Krieg zerstörten Jugendstilfenster zu sammeln. Mit Erfolg, denn am 27. Januar konnte die Einweihung der ersten vier Fenster auf der Ostseite gefeiert werden. In Anwesenheit vieler Spenderinnen und Spender würdigte Lienau-Becker die große gemeinsame Anstrengung, welches dieses Bauvorhaben ermöglichte.

„Was der Krieg zerstört hat, haben Sie wieder hergestellt“, sagte Kiels Stadtpräsidentin Cathy Kietzer mit großer Anerkennung, „sie haben der Petruskirche neues Leben geschenkt.“ Der Vorsitzende des Fördervereins, Pastor i. R. Ernst-Bernd Klemm beschrieb die Kirche als eine der bedeutendsten Jugendstilkirchen in Deutschland und als Wahrzeichen für den Kieler Norden. Erbaut wurde sie von 1905 - 07 als Garnisonkirche für die Marine. Nach der Beschädigung großer Teile der originalen Fenster im zweiten Weltkrieg wurden die Fenster in den 50er Jahren nur provisorisch verglast. Hinzu kamen zahlreiche Beschädigungen des Mauerwerks in den letzten Jahrzehnten.

In mühevoller Kleinarbeit gelang es dem Sachverständigenbüro Ivo Rauch aus Koblenz die ursprünglichen Fenster zu rekonstruieren. Mit dem Einbau der Fenster wurde auch das Mauerwerk fachgerecht ausgebessert. Rund 111 Tausend Euro hat die jetzige Restaurierung der vier Fenster gekostet. „Die Westseite wird vermutlich bei rund hundert Tausend Euro liegen, da weniger Planungsaufwand erforderlich ist und die Schäden am Mauerwerk geringer sind“, erläutert Karsten Wittorf, der Architekt des Kirchenkreises Altholstein die weiteren Planungen. Hierfür werden dringend weitere Spenden benötigt.

Mit Platz für 1100 Menschen ist die Petruskirche – neben der ähnlich großen St. Nikolaikirche am Alten Markt – die größte Kirche in Kiel. Seit 1984 kümmert sich der Förderverein für die Petruskirche um deren Erhalt. 1985 kaufte der Kirchenkreis Kiel die Petruskirche, um sie seitdem als Konzert- und Veranstaltungskirche zu nutzen. Laut Propst Lienau-Becker ist der Kirchenkreis im Gespräch mit Kirchengemeinden, um über eine Nutzung der Petruskirche als Gemeindekirche nachzudenken. Mit Blick auf die (stockenden) Planungen für eine neue Konzerthalle am Kieler Schloss forderte Lienau-Becker aber auch eine Besinnung auf die eigenen Traditionen der Landeshauptstadt und rief dazu auf, die vorhandenen Säle mit Leben zu erfüllen.