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Die Architektur der Kirche


Frontansicht Als ragende Dominante der Baugruppe ist die Südfassade der Kirche über den Konfirmandensaal im Westen mit dem Pastorat und über einen offenen Arkadengang im Osten mit dem Verwaltungsgebäude verbunden. Eine offene dreibogige Arkadenhalle, flankiert von zwei niedrigen mehreckigen Treppentürmen, ist dem sehr hohen querrechteckigen Turm vorgelagert, der sich nach oben leicht verjüngt.




Seine Mauern sind vollkommen glatt und geschlossen bis zu den großen mit Stabwerk vergitterten Schallöffnungen des Glockengeschosses unter der geschwungenen Turmhaube. Dem geschlossenen Querriegel an der Eingangsfront schließt sich in gleicher Breite der einschiffige Kirchsaal unter steilem Satteldach an, der im Norden mit einem eingezogenen kurzen Chor endet. Eingang Während die Süd- und die Nordwand fast vollkommen geschlossen erscheinen, sind die durch drei einfache Strebepfeiler verstärkten Seitenwände fast vollständig in vertikal gegliederte Fensterbahnen aufgelöst. Dieser Kontrast wird auch für den Innenraum nutzbar gemacht. Er wird durch drei Wandpfeiler, die den Strebepfeilern außen entsprechen, in vier Raumeinheiten geteilt, von denen die erste aber ganz von der Orgelempore eingenommen wird. Infolgedessen bildet der verbleibende Raum aufgrund seiner großen Breite annähernd ein Quadrat. Keine Stütze stört diesen Einheitsraum des Kirchsaales. Die im Vergleich zur gesamten Raumhöhe niedrigen Seitenwände werden durch den starken Lichteinfall optisch fast aufgelöst. Durch sie dringt das Licht ein, das den hohen offenen Dachstuhl ebenso beleuchtet wie die ganz ähnlich gestaltete Eingangswand und die Chorwand: Beide sind ganz frei von Fenstern, öffnen sich in der Mitte unter hohem Bogen im Süden zur Orgelnische, im Norden zur Altarnische, jeweils flankiert von rundbogigen Türöffnungen.

Ausstattung:


Eingangdetail Entsprechend ihres Arbeitsvertrages entwarfen Curjel und Moser den Altar, die Kanzel an der Westkante des Chorbogens und auch den gegenüberliegenden Taufstein im selben Material, das den gesamten Außen- und Innenraum kennzeichnet: in rotem Backstein. Die Kapitelle der Wand und Emporenpfeiler sind ebenso wie der Altar (heute nur der Altartisch erhalten) durch aufgemalte Goldtropfen bereichert. An der Nordwand zu beiden Seiten des Chorbogens sind vier große farbige Keramikmedaillons bündig in die Wand eingelassen, die die vier Evangelistensymbole (Mensch, Löwe, Stier, Adler) zeigen. 1939 wurde das backsteinerne Altarretabel (die Rückwand), das ein Gemälde mit Christus am Kreuz zeigte, ersetzt zugunsten einer Lindenholzschnitzgruppe des Segeberger Bildhauers Otto Flath. Sechs Figurengruppen stellen verschiedene Berufe unterm Kreuz dar. Die ursprüngliche dunkle Fassung des Altarraumes wurde in diesem Zusammenhang durch einen hellen Anstrich ersetzt, was die Raumwirkung wesentlich veränderte. Ebenfalls von Flath stammt die Taufgruppe beim Taufstein.



Das offene, einem umgekehrten Schiffsrumpf gleichende Dach wird durch - heute verblaßte - geometrische Muster auf Holztafeln oberhalb der Fenster und an den Unterseiten der waagerechten Balken bereichert.

Jugendstilfenster Die Petruskirche ist schon lange - praktisch seit ihrer Erbauung - als einer der modernsten und richtungsweisenden Kirchenbauten ihrer Zeit für ganz Deutschland erkannt worden: Curjel und Moser schufen einen Bau der den aktuellen Forderungen der Zeit an ein evangelisches Kirchengebäude entsprach.

Ein ungeteilter einheitlicher Raum gewährt jedem Kirchenbesucher einen guten Blick auf Altar und Kanzel. Stilistisch griffen die Architekten die für Norddeutschland typische Backsteinbauweise auf, bereicherten den Bau durch Aufgreifen historischer Gestaltungselemente aus Romanik und Gotik. Doch ohne blindes Zitieren fanden sie eigenständige moderne Weiterentwicklungen, die in der Ornamentik zu Formen des Jugendstils und in der Architektur zum Heimatstil und zum monumentalen Bauen führten.

Quelle:

Faltblatt zum Tag des offenen Denkmals 1997
Herausgeber:
Landeshauptstadt Kiel
Der Oberbürgermeister
Kulturamt
Untere Denkmalschutzbehörde
Geschichte der Petrus-Kirche in Kiel-Wik